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Aktuelle Studien
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Aktuelle Studien

Prognose der Einheilquote von Titanimplantaten anhand von Laborparametern

Projektleitung

Dr. Elisabeth Jacobi-Gresser
Zahnärztin - Oralchirurgie
Heidesheimer Str. 20, 55124 Mainz

Dr. Sabine Schütt
Institut für Medizinische Diagnostik Berlin
Nicolaistraße 22, 12247 Berlin

Vorstellung der Studie

Mit der stetig wachsenden Zahl inserierter Titanimplantate steigt auch die Anzahl der Patienten, die eine Gewebeentzündung um das Implantat (Periimplantitis) entwickeln oder einen frühzeitigen Implantatverlust erleiden. Die häufigste Ursache für Implantatverluste sind unerwünschte Entzündungsreaktionen auf Implantat-Abriebpartikel, die zur fehlenden knöchernen Integration (Osteolyse) führen. Eine frühzeitige Erkennung eines individuellen immunologischen Risikos würde es ermöglichen, alternative Implantatmaterialien auszuwählen oder frühzeitig antientzündlich zu intervenieren. Daher wurden in einer von der Deutschen Gesellschaft für Umwelt-ZahnMedizin initiierten retrospektiven Studie Laborparameter für die Risikoeinschätzung eines Implantatverlustes bei zahnmedizinischen Titanimplantationen evaluiert. Bei den untersuchten Titanimplantatträgern wurde ein Titanstimulationstest zur Erfassung der individuellen Titanoxid-induzierten Zytokinfreisetzung von TNF-α und IL-1β, eine Genotypisierung der vier Zytokinpolymorphismen IL1A-889 C/T, IL1B +3954 C/T, IL1RN +2018 T/C und TNF-α-308 G/A (ergeben zusammen den genetischen Entzündungsgrad) und der Lymphozytentransformationstest (LTT) auf Titan und mögliche Verunreinigungen oder Legierungsbestandteile (Al, Ni, Va) durchgeführt. Sowohl die TNF-α - als auch die IL-1β-Freisetzung war signifikant höher in der Patientengruppe mit Implantatverlust und auch die IL1A-, IL1β-, IL1RN- und TNF-α-Risikogenotypen wurden jeweils häufiger in der Implantatverlustgruppe nachgewiesen. Nachweislich sind ein positiver Titanstimulationstest (p < 0.0001) und der genetische Entzündungsgrad (gleichzusetzen mit der Anzahl an Risikogenotypen, p < 0.046) signifikant mit einem Titanimplantatverlust assoziiert. Sie stellen nach logistischer Regression unabhängige und sich addierende Risikofaktoren für einen vorzeitigen Titanimplantatverlust dar, wobei ein positives Ergebnis im Titanstimulationstest  mit einem 12-fach und der genetische Entzündungsgrad mit einem bis 6-fach erhöhtem Risiko (in Abhängigkeit von der Anzahl vorliegender Risikoallele: Grad 1=1,6-fach; Grad 2=2,4-fach; Grad 3=3,8-fach; Grad 4=6,0-fach) einhergehen. Beide Risikofaktoren sind von anderen bekannten Risikofaktoren wie Rauchen, Alter oder Geschlecht unabhängig assoziiert. Die Bestimmung des genetischen Entzündungsgrades und die Durchführung des Titanstimulationstestes stellen somit prädiktive Laborparameter für den Erfolg von zahnmedizinischen Titanimplantationen dar und erlauben eine individuelle Risikoevaluierung.

Die Ergebnisse der Studie wurden publiziert in:

Jacobi-Gresser E, Huesker K, Schütt S. Genetic and immunological markers predict titanium implant failure: a retrospective study. Int J Oral Maxillofac Surg. 2013 ;42:537-43.

DEGUZ-Praxispilotstudie zur Evaluation von Immunparametern bei Patienten mit avitalen Zähnen und standardisierten Wurzelkanalbehandlungen

Projektleitung

Dr. Elisabeth Jacobi-Gresser
Zahnärztin - Oralchirurgie
Heidesheimer Str. 2055124 Mainz

Dr. Volker von Baehr
Institut für Medizinische Diagnostik Berlin
Nicolaistraße 21, 12247 Berlin

Vorstellung der Studie

Ziel einer Wurzelkanalbehandlung ist der langfristige Erhalt eines avitalen Zahnes als funktionelle Kaueinheit und die Erhaltung oder Wiederherstellung gesunder periapikaler Strukturen. Zu Beginn des letzten Jahrhunderts wurden die Grundprinzipien für eine erfolgreiche Wurzelkanalbehandlung durch den Pionier Prof. Otto Walkhoff definiert : Asepsis, chemische und mechanische Aufbereitung und Obturation. Die moderne Endodontie nutzt die technische Weiterentwicklung zur Optimierung des Behandlungsprotokolls und damit des Behandlungsergebnisses durch Verwendung von Mikroskopen bei der kontrollierten Auffindung und Aufbereitung der Kanalstrukturen, verbesserten Kanalaufbereitungsinstrumenten, dreidimensionaler Obturation mit plastifizierten Füllmaterialien und die verlässlichere röntgenologische Kontrolle des Behandlungsergebnisses in Bezug auf einen optimierten Füllzustand der Wurzelkanäle durch dreidimensionale Darstellungen (DVT) . Nach der vorliegenden Literatur sind die häufigsten Misserfolge bedingt durch insuffiziente Wurzelkanalbehandlungen mit und ohne iatrogene Veränderungen der ursprünglichen Kanalmorphologie, Infektion in den nicht zugänglichen apicalen Kanalanteilen, bakteriell belastete Dentintubuli mit extraradikulärer Infektion, radikuläre Zysten und Tumore, Fremdkörperreaktionen auf extrudiertes Füllmaterial oder Partikel von Papierspitzen bei der Kanaltrockenlegung und sich ereignende Wurzellängsfrakturen.

Im zerfallenden Pulpengewebe bilden sich u.a. Eiweißabbauprodukte in Form flüchtiger Schwefelwasserstoffverbindungen wie Mercaptane und Thioäther. Diese toxischen Zerfallsprodukte haben das Potential zur Schädigung des Organismus durch Triggerung immunologischer Entzündungsreaktionen. Die lokalen und darüber hinaus systemischen Auswirkungen eines avitalen, auch endodontisch behandelten Zahnes sind schwer einzuschätzen und müssen kritisch betrachtet werden.

Im Rahmen einer ersten über einen Zeitraum von zwei Jahren durchgeführten Praxispilotstudie an 120 Patienten mit einem einzigen avitalen Zahn sollen anhand moderner Immunlaboranalytik diagnostisch relevante Parameter bei Diagnosestellung und zu zwei Zeitpunkten mehrere Monate nach therapeutischer Intervention evaluiert werden.

Die initialen und revidierenden Wurzelkanalbehandlungen wurden unter standardisierten Bedingungen unter mikroskopischer Kontrolle durchgeführt. Prognostisch nicht erhaltungsfähige Zähne wurden einer Extraktionstherapie unterzogen. Für alle Patienten wurden allgemeine und spezifische Entzündungsparameter, die Verträglichkeit von Wurzelfüllmaterialien, die genetische Entzündungsbereitschaft und die Reaktion auf Mercaptane/Thioether im Effektorzellstatus zum Zeitpunkt vor Therapiebeginn und nach frühestens drei bzw. sechs Monaten nach Therapie bestimmt. Die Kontrollgruppe bestand aus gesunden Patienten mit einem langzeitwurzelgefüllten Zahn ohne erkennbare radiologische und klinische Auffälligkeiten.

Die Ergebnisse der Studie belegen, dass bei den 31 Probanden der Kontrollgruppe ein positiver IFN-γ- Befund im Mercaptane/Thioether-Effektorzellstatus bei keinem der Untersuchten zu finden ist und eine erhöhte IL-10 – Expression nur ausnahmsweise vorkommt, während in den weiteren Patientengruppen mit endodontischen Pathologien positive Befunde in Bezug auf IFN-γ und IL-10-Expression zu Studienbeginn signifikant häufiger auftreten und durch geeignete Therapiemaßnahen beeinflusst werden. Nach eingeleiteter initialer oder revidierender Wurzelkanalbehandlung oder auch Extraktion eines nicht endodontisch zu behandelnden Zahnes sind die Entzündungsparameter signifikant rückläufig. Von den erhobenen Laborimmunparametern erweisen sich die Ergebnisse im Mercaptane/Thioether-Effektorzelltest als geeignete Diagnose- und Kontrollparameter in Bezug auf eine immunologische Belastung  durch einen avitalen Zahn und im Monitoring eines endodontischen Behandlungsergebnisses.

Die Ergebnisse der Studie wurden publiziert in:

Die Veröffentlichung der Studie wird derzeit vorbereitet.